Ausgabe Nr.
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J M upload 02.04.2021, Viva Edition 174 | Print article

Jagd auf Franco Relikte - zwei Attentate auf den Kanaren

Der Spanische Bürgerkrieg forderte viele Opfer und Hundertausende,  seien es Intellektuelle, politische Gegner, Kritiker oder Menschen aus der LGBT Community, wurden während dem Militärregime unter General Francisco franco hingerichtet und achtlos verscharrt. Erstaunlicherweise begann Spanien erst in den 2000-er Jahren mit der Aufarbeitung der Geschichte des „Franquismo“. Mit dem Gesetz 5/2018 vom 13. Dezember wurde u. a. beschlossen, den Spuren dieses dunklen Kapitels der Geschichte nachzugehen.

Auf Spurensuche

Die Kanarenregierung hat am 26. Februar 2020 im Einklang mit dem Gesetz 5/2018 vom 13. Dezember einen Maßnahmenkatalog vorgestellt, um die historischen Ereignisse aufzuklären. Drei Mio. Euro stehen dafür zur Verfügung. Aus der moralischen Verpflichtung heraus, auch gegenüber den Angehörigen, ist die Identifikation der Opfer ein wichtiger Schritt, der ggfs. auch Exhumierungen umfasst.

Zwar werden dadurch die schrecklichen Ereignisse nicht ungeschehen gemacht, aber der Gerechtigkeit wird zumindest insofern ein wenig Folge geleistet, als daß die Familien und Angehörigen Klarheit über den Verbleib ihrer Verwandten bekommen und ihre Trauerarbeit abschließen können. Es besteht eine Verpflichtung die historischen Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Auf dem Archipel haben dabei drei Inseln Priorität: Gran Canaria, Teneriffa und La Palma. Folgende Territorien stehen zunächst im Fokus.

• In der Gemeinde Telde auf Gran Canaria ist es die Zonen Sima de Jinámar und im Gemeindegebiet von Arucas wurde mit den Untersuchungen in Pozo del Puente und Pozo de la Vuelta del Frances bereits begonnen.
• Auf Teneriffa ergaben die Recherchen, dass sich auf dem Friedhof San Juan sowie in La Fuente de Cañizares in der Gemeinde La Laguna Opfer befinden
• Auf La Palma in Pinar de Fuencaliente

Zudem soll ein umfassender Katalog erstellt werden, der alle Relikte der Franco Diktatur (z. B. Straßen, Plätze, Denkmäler und andere Symbole) auflistet. Entsprechend des eingangs erwähnten Gesetzes sollen diese im Anschluss sofort entfernt werden.

Die Kanaren und die Attentatsversuche

Der Spanische Bürgerkrieg lief von Juli 1936 bis April 1939 zwischen Republikanern (Anhänger der demokratisch gewählten Regierung der Zweiten Spanischen Republik) und den Nationalisten (rechtsgerichtete Putschisten unter General Francisco Franco). Bekanntlich siegte das Militär und unter Franco lief von 1936 bis 1976 die fanquistische Diktatur, die durch seinen Tod im Jahr 1975 formal endete. Dabei hätte die Geschichte auch ganz anders aussehen können, bei einem der beiden Attentatsversuche wenn dieses strategisch begabten Despoten auf den Kanarischen Inseln erfolgreich gewesen wäre. Denn seine Geschicke waren beim Militärputsch entscheidend und dafür musste er das Militärkommando in Marokko übernehmen.

Auf Messers Schneide

Es war weniger Glück als vielmehr sein grundsätzliches Misstrauen, das General Franco im Jahr 1936 gleich zwei Attentaten auf den Kanarischen Inseln entkommen konnte. Aber nicht nur das. Mit seiner profunden militärischen Ausbildung und seinem ausgezeichneten Informations- und Spionagenetzwerk war er stets bestens informiert. Die Kanarischen Inseln waren ihm, aufgrund ihrer Sympathien gegenüber Großbritannien1) suspekt. Und aufgrund dieses Argwohn plante Franco seine Reise nach Marokko akribisch genau.

1. Versuch auf Teneriffa

Antonio Viddal Arabi, auf Teneriffa residierender katalanischer Intellektueller und Drahzieher der Verschwörung, erarbeitete gemeinsam mit drei Vertretern der Iberischen Anarchisten Föderation (FAI) einen raffinierten Plan zur Ermordung Francos.

Durch eine Falltür des Restaurants Odeon, das die Katalanin María Culi Palou betrieb und die den Plan unterstützte, gelangten sie auf das Dach und von dort zur Unterkunft des Kommandanten. Doch der misstrauische Franco hatte sie verriegelt und mit einem Schloss zusätzlich abgeriegelt. Beim Öffnungsversuch der Verschwörer verrieten sie sich durch den von ihnen verursachten Lärm. Die alarmierte Wache schlug sie in die Flucht bzw. erschoss einen der Attentäter.

2. Attentatsversuch auf Gran Canaria

Am 17. Juli 1936 setzte Franco von Santa Cruz de Tenerife nach Gran Canaria über. Dort wartete auf dem Flughafen Gando ein Flugzeug auf ihn, um ihn nach Marokko zu fliegen. Er übernachtete im Zimmer Nr. 3 des Hotel Madrid am Plaza de Cairasco in Las Palmas de Gran Canaria. Alarmiert von den Geschehnissen auf Teneriffa wurde er von einer Militärwache schwer bewacht, die jedoch von regierungsloyalen Offizieren kommandiert wurde, die bereits am Aufstand teilnahmen. Sie planten ihn im Tunnel La Laja an der Stadtausfahrt in einen Hinterhalt locken. Eine errichtete bewaffnete Straßensperre sollte Franco bei seiner Ankunft verhaften bzw. erschießen.

Der argwöhnische Franco schöpfte jedoch Verdacht und änderte seine Route seinem Plan B folgend. In Zivil gekleidet und mit falschem Pass bestieg er in der alten Muelle am Parque de San Telmo ein Boot und fuhr auf dem Seeweg das Stück zum Flughafen Gando. Dort wartete bereits das Wasserflugzeug Dragon Rapide auf ihn, das um 14.33 Uhr abhob. Er reiste mit mehreren Zwischenstopps in Nordafrika schließlich nach Tétouan auf Marokko. Dort kam er dann am 19. Juli 1936 an, dieses mal wieder in Generalmajor-Uniform mit roter Schärpe und goldenen Quasten. Er übernahm das Kommando über die Armee von Afrika …

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1)Viva Canarias Nr. 173 vom 1. März 2021 „600 Jahre Briten und ihr Einfluss auf den Kanaren“ - nachzulesen im Internet (für Abonnenten) www.viva-canarias.es