Ausgabe Nr.
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J M upload 03.01.2022, Viva Edition 183 | Print article

Ausbruch beendet mit 13. Dezember 2021 nach 85 Tagen und 8 Stunden

Am 19. September 2021 um 14.10 h (MEZ-1) veränderte die Eruption im Cumbre Vieja auf La Palma das Leben tausender Menschen und rückte die ‚isla bonita‘ in den Fokus des internationalen Medieninteresses. Die Emissionen veranschaulichten auf dramatische Weise, wie hilflos der Mensch gegenüber Naturgewalten ist. Über tausend Gebäude wurden durch die Massen der Glutlawinen, die ihren Weg zur etwa fünf Kilometer entfernten Küste im Inselwesten zurücklegten, niedergewalzt. Dort entstand bei ihrem Eintritt ins Meer eine neue Landzunge und folglich werden die Landkarten der Insel neu zu schreiben sein.

Der PEVOLCA Krisenstab informierte täglich die MedienvertreterInnen über die aktuelle Lage. Dabei handelt es sich um ein Lenkungsgremium, das bei vulkanologischen Krisensituationen zum Einsatz kommt und sich aus Wissenschaftlern verschiedener Fachbereiche (Vulkanologen, Meeresbiologen, Geologen etc.), Vertretern der Behörden (Regierung, Hafenbehörde etc.), Zivilschutz, Polizei, Rettung, Rotes Kreuz etc. zusammensetzt.

Bis zu 800 Einsatzkräfte waren vor Ort. 

Wir berichteten ausführlich auf unserer Webseite unter dem Menüpunkt Vulkan.

Ausbruch beendet

Die Eruption im Cumbre Vieja auf La Palma wurde nach 85 Tagen und 8 Stunden offiziell vom PEVOLCA Lenkungsausschuss als beendet erklärt. Es handelt sich somit um den längsten Ausbruch auf La Palma seit Beginn der Aufzeichnungen. Formal dauerte der Ausbruch bis zum 13. Dezember 2021, 22.21 Uhr und erreichte die  Stufe 3 VEI (vulcan eruption index).

-  Die zweitlängste Eruption war im Jahr 1585 von Tehuya mit 84 Tagen.
-  Auf dem dritten Rang liegt der Vulkan Tigalate aus dem Jahr 1646, der 760 ha betraf und 82 Tage aktiv war.
-  Im Jahr 1677 spukte der Vulkan San Antonio 66 Tage Lava und tangierte 650 ha Landfläche.
-  Die fünflängste Eruption wurde im Jahr 1712 beim Vulkan El Charco dokumentiert, der 56 Tage aktiv war und 490 ha Fläche betraf.
-  Der Ausbruch im Jahr 1949 des Vulkans San Juan dauerte 47 Tage und zerstörte 450 ha.
-  Die kürzeste Eruption wurde beim letzten Ausbruch des Vulkans Teneguía vor fünfzig Jahren registriert, der 24 Tage dauerte und 213 ha beschädigte.

Status Quo

• 9 Fernbeben in der letzten Woche, das Tiefste davon auf 13,67 km
• höchste gemessene Seismik: 5,9 
• 1.219 ha von Glutlawinen betroffene Flächen bzw. in einem Umkreis von 69 km
• Betroffene Gemeinden: Los Llanos de Aridane (75,65 %), El Paso (16,79 %) und Tazacorte (7,56 %)
• 2.329 betroffene Personen (über 7.000 evakuiert)
• 1.676 Gebäude größtenteils gänzlich zerstört (1.345 Wohn- und 180 Agrikulturgebäude, 75 Industrie, 44 Freizeit und Gastronomie, 16 öffentliche Gebäude, wie z. B. Schulen und weitere 16 sonstige
• 73 km Straßen
• 370 ha Agrarflächen (229 ha Bananenplantagen, 68 ha Weinanbauzonen, 27 ha Avocadoplantagen)

Dashboard

Aktuell befindet sich die 4-stufige Ampel nach wie vor auf ROT. Die Inselregierung von La Palma hat ein Dashboard eingerichtet, in dem umfassende Informationen tagesaktuell mitgeteilt werden:

https://riesgovolcanico-lapalma.hub.arcgis.com

Die „gute Seite“

Wenngleich die Eruptionen eine tragische Auswirkung auf das Leben tausender Betroffener hat, so hat es auch etwas Gutes, falls diese Formulierung überhaupt in diesem Zusammenhang adäquat ist. Die Eruptionen bzw. Emissionen haben kein Todesopfer gefordert und das ausgezeichnete Krisenmanagement von PEVOLCA hat auch dazu geführt, dass es keine Verletzten gab.

Die Prozesse für den Wiederaufbau sind schnell in Gang gekommen und die Bürokratie stand außen vor. Gleichzeitig wurde landesweit eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität ausgelöst. Neben den offiziellen Hilfszahlungen gingen auf der offiziellen Seite der Inselregierung von La Palma über 8,9 Mio. Euro Spenden ein. Wieder einmal werden wir Zeugen, dass in Krisensituationen letztendlich die Menschlichkeit siegt und gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Spaltungen, wie wir sie während der Covid-19 Pandemie erlebt haben, sind diese Signale heilend für die Gesellschaft.