Ausgabe Nr.
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J M upload 02.08.2013, Viva Edition 39 | Print article

Bodegas las Tirajanas – bei der ersten Weinlese (Weinanbau)

Die meisten Touristen der Insel Gran Canaria hat diese Gemeinde seinen schönen Sandstränden zu verdanken. Doch wer nur wenige Kilometer ins Landesinnere zum  Hauptstädtchen Tunte fährt, der entdeckt noch eine ganz andere Welt. In dieser Gegend werden nicht nur die meisten Aprikosen angebaut, sondern auch Wein. Nach San Mateo ist die Weinproduktion in San Bartolomé de Tirajana die zweitgrößte auf Gran Canaria. Von den insgesamt 200 Hektar Weinanbauflächen befinden sich zehn Prozent bzw. 20 Hektar genau hier.

Wieder ist es der Agrarexperte Juan Carlos Gomez Aranda, der uns zu einer Weinexkursion entführt. Es ist heiß, sehr heiß an diesem Tag und so brechen wir schon früh morgens auf.  Bei Tunte folgen wir kurz dem Straßenverlauf und bieten dann rechts auf eine holprige  Schotterstraße ab. Ohne Begleitung könnte man den Weg zu dieser Finca kaum finden denke ich mir, während das Auto schaukelnd den feinen Staub aufwirbelt und freue mich, dass uns die Klimaanlage im Wagen mit kühler Luft versorgt. Nach etwa fünf Minuten erreichen wir unser Ziel. Dieses kleine Weingut ist eines von insgesamt zwanzig Mitgliedern der Bodegas Las Tirajanas wo zentral alle Trauben hin geliefert und, je nach Rebsorte, weiterverarbeitet werden. Aber dazu später. 

Ein Spezialist der Weinkellerei legt fest welche Traube wann geerntet wird. Dabei werden bestimmte Kriterien überprüft, wie z. B. der Zuckergehalt. Erst wenn alles passt dürfen die Landwirte die entsprechenden Bereiche pflücken. Direkt von hier fährt dann der beladene Lieferwagen mit den Kisten voller Trauben in die Weinkellerei, so wie auch wir.

Ursprungsnachweis: Jede Kiste wird gewogen

Jede Traubenanlieferung von jeder Finca wird sofort gewogen, noch auf der Palette und von einem offiziellen Vertreter der „Denominación Origen“ von Gran Canaria bestätigt. Dabei handelt es sich um das kanarische Ursprungszertifikat. Jeder Wein der Bodegas Las Tirajanas verfügt über dieses Siegel.

Danach geht es, je nachdem ob erforderlich, zur manuellen Qualitätsüberprüfung. Falls sich qualitativ schlechte bzw. überreife Trauben eingeschlichen haben, werden die hier entfernt. Die Weiterverarbeitung ist unterschiedlich, je nach Traube und Wein, ob weiß oder rot, ob für Barrique etc. Eine Art Hechsler entfernt die Holzstränge (nennt man entrappen oder abbeeren) und von dort geht es zur Presse, wo der Saft (die Maische) etwas ruhen kann. Die Maische wird vorsichtig gepresst, danach wird gegärt, gereift und schließlich, wenn der Wein ausgereift ist, abgefüllt. In der Bodega werden die meisten Weine aus einer Mischung von verschiedenen Rebsorten hergestellt („variedad“ - aufgrund der geringen Menge der Trauben). Aber wenn ein Wein aus nur einer Sorte besteht, dann steht das auch auf dem Weinetikett.

Pro Jahr werden etwa 60.000 Flaschen Wein abgefüllt und zwar in acht verschiedenen Sorten. Ein Roséwein, zwei Rotweine und fünf Weißweine. In letzter Zeit scheint sich eine Tendenz in Richtung Weißweine zu entwickeln, wie wir von Juan Carlos erfahren.

Gäste willkommen im „live-Betrieb“

Eine Besonderheit der Bodegas Las Tirajanas ist, dass man hier die Gäste direkt in der Weinkellerei empfängt, da wo die Weinproduktion läuft und nicht in eigens erbauten Räumlichkeiten. Noch näher können Weinliebhaber nicht an das Zentrum des Geschehens rücken. Besonders beliebt sind auch die Führungen mit Weinverkostung, bei Privatpersonen und bei Reiseveranstaltern gleichermaßen. Immer mehr Touristenführer nehmen die Bodegas Las Tirajanas in ihr Programm auf und so kommen täglich Gäste aus Deutschland, England, Belgien oder Spanien.

Anna hat einige Führer im Sinne von „Train the Trainer“ sogar ausgebildet, so dass sie gar nicht mehr alle Führungen selbst machen muss. Aber auf Anfrage organisiert sie praktisch alles und sie spricht perfekt Englisch.

Weinführungen sind gefragt

Geboten werden zwei Arten von Führungen. Die normale Führung kostet sechs Euro pro Person und dauert etwa eine Stunde. Natürlich ist auch die Degustation von zwei Weinen aus der Kellerei beinhaltet. Selbstverständlich werden die idealen Weinbegleiter kredenzt und hier arbeitet man mit regionalen Landwirten zusammen, die für die gute Qualität ihrer Erzeugnisse bekannt sind (Bäcker, Käsereien, Olivenbauern etc.).

Wenn wir eine Empfehlung abgeben dürfen, dann würden wir die größere Variante für neun Euro pro Person wählen, auch wenn beim eingefleischten Sommelier nun die Haare zu Berge stehen. Sie können dann neben drei Weinen auch noch weitere Köstlichkeiten genießen, wie z. B. den prämierten Käse von der „Queseria La Gloria“ (Käserei - siehe Viva Nr. 38), hochwertiges Meersalz der Salinen von Arinaga, Olivenöl und eingelegte Oliven in Mojo-Soße und hausgemachtes Brot aus der Gegend. Prost und Mahlzeit!

Kontakt

Bodegas La Tirajanas S.A.T
c/ Las Lagunas s/n in San Bartolomé de Tirajana (bei Tunte), Gran Canaria.
Tel.: 628 216 683 (Führungen etc.)
www.bodegaslastirajanas.com

Auszeichnungen: 1. Preis in der Kategorie „Vino Tinto Joven“ und „Blancos Secos“.

Besuchszeiten: Montag bis Freitag von 10.00 bis 16.00 Uhr, samstags und sonntags bis 14.00 Uhr, feiertags geschlossen.

Führungen mit Verkostung: Wer will kann an den etwa einstündigen Führungen mit anschließender Verkostung teilnehmen. Für 6 Euro pro Person werden zwei Weine und das bekannte Olivenöl „La Caldera de Tirajana“ sowie in Mojo-Soße eingelegte Oliven und hausgemachtes Brot aus der Gegend geboten. Viva Tipp: Wer nochmals drei Euro drauflegt kann gleich drei Weine und zusätzlich noch den prämierten Käse der „Queseria Artesanal La Gloria“ genießen.