J M upload 13.12.2018, Viva Edition 94 | Print article

Strom sparen? Tipps von Dipl. Ing. Uwe Schmid

Stündlich neue Strompreise? Die Strompreise sollen sich Gerüchten zufolge stündlich ändern? Tatsächlich wurde die Art der Stromabrechnung einmal mehr geändert. Diese letzte Änderung wurde bereits zum 1. 7. 2015 beschlossen, trat aber erst zum 1. 10. 2015 bindend in Kraft. Dipl. Ing. Uwe Schmid bringt wieder ein wenig Licht ins Dunkel zu dieser neuen Methode der Stromabrechnung. 

Wie wird der Preis einer kilowattstunde bestimmt?

Strom wird von den Stromerzeugern (auf den Kanaren „Endesa“) mithilfe von Heizkraftwerken, Atomkraftwerken oder Erneuerbaren Energien (Solar-, Wind- und Wasserenergie) produziert und dann von Stromvertreibern kommerzialisiert. Stromvertreiber sind Betriebe die Strom von den Erzeugern kaufen und ihn dann an uns als Endverbraucher verkaufen. Der Handel mit Strom erfolgt tagtäglich auf einem freien Strommarkt auf dem sich ständig (wie an der Wertpapierbörse) die Strompreise ändern.

Bislang kauften dort die Stromvertreiber in dreimonatig stattfindenden komplexen Auktionen Kilowattstunden Strom welche sie dann in den folgenden drei Monaten an uns als Verbraucher weiterverkauften.

Der Preis pro Kilowattstunde in unserer Rechnung richtete sich nach den in diesen Auktionen gezahlten Preisen. Es zeigte sich aber, dass die Stromerzeuger häufig kurz vor den Auktionen zwecks „Wartungsarbeiten“ Kraftwerke abschalteten was zu einer geringeren Stromproduktion führte und nach den Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage zu höheren Preisen führte. Nach den Auktionen wurde die Produktion wieder erhöht und die Preise sanken wieder. Wir als Verbraucher zahlten aber die erhöhten Preise aus den Auktionen.

Auch Finanzunternehmen und Banken entdeckten diese Möglichkeit zum Geldverdienen und begannen an diesen Auktionen teilzunehmen und große Strompakete zu Spekulationszwecken zu kaufen. Das Ergebnis war, dass wir als Endabnehmer regelmäßig höhere Preise zahlten als die tatsächlichen Marktpreise der Strombörse.

Nachforschungen der Strompreise von 2007 bis 2011 ergaben, dass wir im Mittel knapp 12% zuviel für die Kilowattstunde Strom bezahlten, in einzelnen Quartalen sogar 30% bis 50% über den realen Preisen an der Strombörse lagen.

Um dieser Manipulation der Stromkosten vorzubeugen wurde von der Regierung entschieden die dreimonatig stattfindenden Auktionen auszusetzen und dem Verbraucher stets die tatsächlich im Moment der Verbrauchs gültigen Marktpreise zu berechnen (gemittelt auf den Preis einer Stunde). Das bedeutet für uns, das sich jetzt stündlich der Strompreis ändert.

Wie können wir den jeweiligen Tarif selbst einsehen?

Die Strompreise werden täglich um 19:30 (kanarische Zeit) für den nächsten Tag auf der Internetseite des Netzbetreibers Red Eléctrica España (REE) veröffentlicht.

https://www.esios.ree.es/es/pvpc

Hier sieht man einen Ausschnitt der Webseite, gezeigt wird der Verlauf der Strompreise für den 10. Februar 2016, von 0:00 bis 23:00 Uhr. Dargestellt werden drei Tarifgruppen, die rote Kurve entspricht dem normalen Tarif 2.0A, die blaue und grüne Kurve sind Tarife die nachts günstiger sind, dafür aber am Tag etwas mehr kosten (2.0 DHA und 2.0 DHS).

Oben rechts kann man das Datum des Tages eingeben welchen man ansehen möchte. Wie gesagt kann man ab 19:30 bereits die Tarife für den nächsten Tag einsehen.

Mit der Maus kann man auf das Diagramm fahren und eine bestimmte Uhrzeit anklicken. Es werden dann die Tarife in € pro Kilowattstunde [€/kWh] für diese Uhrzeit angezeigt. Im Besipiel wurde 19:00 angewählt (graue senkrechte Linie), dies war der teuerste Moment des Tages. In der Linie unterhalb der Grafik werden dann die Tarife der drei Tarifgruppen für die gewählte Stunde angezeigt. Für diese Uhrzeit kostete also die Kilowattstunde im Normaltarif 10,463 Cent.

Wenn man sich die Zahlen näher ansieht und verschiedene Zeiten und Tage miteinander vergleicht, dann ergibt sich folgendes Bild.

Die teuerste Tageszeit ist beispielsweise fast immer zwischen 19:00 und 22:00 Uhr während der billigste Moment normalerweise nachts zwischen 2:00 und 4:00 Uhr morgens liegt. Dies gilt für Wochentage, an Wochenenden sieht es etwas anders aus, so liegen an Samstagen die teuersten Momente häufig um 0:00 nachts.

Wie kann man damit die Rechnung senken?

Mit dieser neuen Abrechnungsmethode ergeben sich Möglichkeiten, aktiv in unsere nächste Stromrechnung einzugreifen und zwar, indem man versucht soviel wie möglich seines Stromverbrauchs in die günstigen Zeiten zu legen. Andererseits sollte man den Stromkonsum zu den teuren Zeiten reduzieren. Natürlich gibt es viele elektrische Verbraucher, die sich nicht zeitlich beliebig benutzen lassen (Kühlschrank). Bei anderen sind wir jedoch flexibler und können sie somit während der billigen Stromzeiten benutzen. Beispiele dafür sind Wasch- und Spülmaschine oder Batterieladegeräte.

Man kann sogar darüber nachdenken Elektroboiler mit Zeitschaltuhren zu versehen, um den Verbrauch soweit wie möglich auf billigere Zeiten zu verschieben. Und selbst wenn es nicht immer möglich ist, den billigsten Tarif zu erwischen (z.B. wenn er auf 3:00 morgens fällt), so kann man doch zumindest verhindern den teuersten zu benutzen.

Wer fällt in diese neue Regelung?

Die neue Abrechnung nach Stunden ist nur gültig für die Verbraucher die ihren Strom nicht über einen der privaten Stromanbieter beziehen (diese gibt es mittlerweise auch auf den Kanaren), sondern die weiterhin ihren Strom über die Endesa beziehen. Darüber hinaus muss eine maximale Leistung von unter 10 kW vertraglich festgelegt sein, d.h. nur für die Tarifgruppen 2.0A, 2.0 DHA und 2.0 DHS (Anm.: Das lässt sich auf der Rückseite der Stromrechnung unter „Datos del contrato“ und dem Punkt „peaje de acceso“ ablesen).

Desweiteren ist es nötig bereits einen der neuen digitalen Zähler eingebaut zu haben, da nur diese den Verbrauch nach Stunden aufzeichnen und so der Stromvertreiber wissen kann wann wir wieviel Strom verbraucht haben. Für alle die unter die oben aufgeführten Tarifgruppen bei Endesa fallen, aber noch die alten analogen Zähler besitzen wird ein gewichteter Mittelwert angerechnet der das übliche Verbrauchsverhalten widerspiegelt.

Was tun, um weniger Strom zu zahlen?

Anzumerken ist, dass mit den hier angesprochenen Möglichkeiten keine riesigen Einsparungen erzielt werden können. Das liegt hauptsächlich daran, dass der tatsächliche Strompreis über den wir hier sprechen nur etwa 37% unserer Rechnung ausmacht. Der Rest sind staatlich regulierte Kosten für eine Vielzahl anderer Dinge (siehe VIVA 32) und Steuern.

Aber selbst wenn es übers Jahr nur 10 oder 20€ sind die man spart, so weiss man doch zumindest, dass man den gierigen Stromerzeugern nicht unnötig Geld in den Rachen geworfen hat.

Um anderweitig sicher zu gehen nicht zuviel zu bezahlen, sollte man prüfen ob sich die vertraglich vereinbarte Tarifgruppe möglichst weitestgehend an das eigene Verbrauchsmuster anpasst. Hauptsächlich sollte darauf geachtet werden keine zu hohe Leistung festgeschrieben zu haben (in der Rechnung unter „Datos del Contrato“ – „Potencia contratada“ zu sehen), und es kann darüber nachgedacht werden einen Tarif zu benutzen welcher zwischen Tag und Nacht unterscheidet. Das ist dann günstig wenn man grosse Verbaucher hat die in der Nacht arbeiten können (z.B. Elektroauto welches man nachts läd).

Abschließend ist zu sagen, dass der Strom von Endesa auf den Kanaren weiterhin zu über 90% aus Öl gewonnen wird. Wer sauberen Strom möchte, und zudem auf lange Sicht damit sogar Geld spart, der sollte unbedingt darüber nachdenken auf Erneuerbare Energien umzusteigen.

KONTAKT:

Dipl. Ing. Elektrotechnik Uwe Schmid
Geschäftsführer der Firma
Soloconsol Solar Energia S.L.
Las Palmas de Gran Canaria
Tel.: 928 263 910, Mobil: 691 224 488
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