J M upload 30.01.2019, Viva Edition 27 | Print article

Telde, die einstige Hauptstadt

Dieses Mal entführen wir sie nach Telde, die mit über 101.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Gran Canarias (Stand 2011). Dieser geschichtsträchtige Ort war zur Zeit der Altkanarier einst der Sitz der „Könige“, der sogenannten Guanarteme. Mit seinen Industriezonen würde niemand ahnen, dass die einstige Hauptstadt der Insel über eine sehenswerte Altstadt verfügt. Doch vor etwa 125 Jahren musste Telde diesen Titel an Las Palmas abgeben, das über den strategisch so wichtigen Hafen und andere historisch bedeutsame Gebäude verfügte.

Telde liegt etwa 15 Kilometer südwestlich von Las Palmas und die Autobahnabfahrt führt geradewegs in die Stadt. Zur Gemeinde gehört neben dem Flughafen die gesamte Zone bis zum Strand von Melenara. Die Gemeindehauptstadt ist in drei Stadtviertel unterteilt. Im südlichen Teil der Altstadt, das früher ein Armenviertel war, liegt San Gregorio. Trotz vieler Bemühungen zählt es nach wie vor nicht zu den noblen Geschäftsadressen. Die Häuser sind einfach und die Mieten günstig. Ein kurzer Spaziergang entlang enger Gassen und bunter Häuserfassaden führt in die schöne Altstadt San Juan.  Weltoffen heissen die Bewohner die Gäste hier willkommen.

Basilika san Juan de Bautista

Die stattliche Basilika San Juan de Bautista (Johannes der Täufer) dominiert den großen Kirchplatz „Plaza de San Juan“. Mit dem Bau der sehenswerten Basilika de San Juan de Bautista aus bis zu vier verschiedenen Vulkangesteinen wurde bereits 1520 begonnen. Im Inneren belegen die schlanken gotischen Säulen die sich nach oben hin wie Blätterwerk öffnen, den Baustil. Mehrere bauliche Veränderungen fanden ihren Abschluss im 19. Jhdt. durch den Anbau der beiden Glockentürme. Papst Paul VI weihte die Basílica am 6. Juni 1968. Durch die Rosetta über dem Hauptschiff beleuchtet sanftes Licht das Innere. In den Seitenaltären befinden sich Kunstwerke wie z. B. Johannes der Täufer, die „Virgen de Dolores“ und auch andere Figuren des bekannten kanarischen Bildhauers für sakrale Kunst, Luján Pérez (1756 bis 1815). Erwähnenswert ist der pracht-volle Altaraufsatz aus dem 15. Jahrhundert, der sechs Szenen aus dem Leben Marias darstellt. Die Christusfigur stammt aus Mexiko.

Ein kleiner Rundgang um die Kirche führt durch entzückende alte enge Gassen. Es reihen sich die historischen Fassaden der Gebäude aneinander  wie z. B. des Rathauses etc. In vielen Ecken locken Cafés zum Verweilen und das mit mehr als moderaten Prei-sen. Doch auch kleine Läden bieten Waren an, die Mann und Frau so zum Leben braucht.

Vom Kirchplatz aus gelangt man über den „Rincon de Fleitas“, das ist ein kleines Café-Restaurant im Innenhof neben der Basilika, in den Park Rosalia oder auch von den Einheimischen mit Spitznamen Lulu genannt. Dort grünt und blüht es und zahlreiche Piepmätze in großen Vogel-Volieren  singen und schwatzen um die Wette.

Die Zeit steht still bei Don Francisco

Gegenüber des Kirchplatzes entdecken wir einen der letzen „Tante Emma“-Läden, die früher in Spanien „Aceite y Vinagre“ genannt wurden und auch hier zu Lande durch die großen Supermärkte ersetzt wurden.

Dieses entzückende Geschäft nennt sich Ranchito Jiménez und wird seit 1964 vom 89jährigen (!) Don Francisco Jiménez Bethencourt geführt. Er hat vier Söhne und bereits sieben Enkelkinder und betreibt den Laden aus Zeitvertreib. Hier drinnen fühlt man sich zurückversetzt in eine andere Zeit. Eine alte Registrierkasse und Waage, Hufeisen und anderes Geschäftsinventar zaubern ein verträumtes Lächeln ins Gesicht. Natürlich sind auch Spirituosen und Zigaretten zu finden.

Die grün gestrichenen Vitrinen reichen mit ihren kleinen viereckigen Fensterchen fast bis an die Decke. Der Verkaufstresen ist in dem gleichen Grünton gehalten.

Während Don Francisco stolz von seinen ausländischen Münzen und den guten Zeiten des Tourismus in den Anfängen der 70 Jahre schwärmt, kommen immer wieder Neugierige in den Laden, mit denen er sofort ins Gespräch kommt. Man merkt ihm die Begeisterung der Unterhaltung mit den Menschen an. Er erzählt uns, dass er von Geburt an einen kurzen Fuss hat. Es gab in seiner Kindheit kein Antibiotika und deshalb blieb der Fuss verkrüppelt, was aber seine Lebensfreude, wie es scheint, kein bisschen beeinträchtigt hat. Im Gegenteil, er schäkert gerne mit jedem der seinen Laden betritt auch wenn man nichts kauft. Mit einem „Feliz año nuevo“ verabschieden wir uns letztendlich doch, um noch einen Abstecher ins Museum von Leon y Castillo zu machen.

Der ganze Stolz

Das Museo León y Castillo: Das Geburtshaus der bekannten Brüder Juan und Fernando de León y Castillo ist heute ein Museum. Architekt Juan baute die erste Hafenanlage von Las Palmas de Gran Canaria in so kluger Art und Weise, dass er damit den Wohlstand der Stadt maßgeblich beeinflusste. Noch heute bestehen die wesentlichen Grundrisse des „Puertos de la Luz“ nach seiner Planung. Auch andere Gebäude quer durch die verschiedenen Gemeinden der Insel gehen auf seinen Entwurf zurück.

Sein Bruder Fernando war politisch aktiv und Verbreiter von liberalen Ideen für Gran Canaria in Madrid. Er war in der nationalen und internationalen Politik tätig, sowie Senator auf Lebenszeit, Gouverneur, Minister und 30 Jahre lang spanischer Botschafter in Paris. Im Museeumshaus sind Schriften, Orden, Waffen, Architekturmodelle und Möbel aus jener Wirkungszeit ausgestellt. Wie in der typischen, kanarischen Bauweise sind die Häuser durch einen offenen Innenhof zu erreichen. Holzbalkone und Treppen sind aus dunklem Kiefernholz gearbeitet und der Innenhof selbst wird in der Mitte durch einen Brunnen mit lebenden Schildkröten geziert.

Stadtteil San Francisco

Vom Stadtviertel San Juan aus führt eine „scheinbare Brücke“ in die Calle Inés Chimida im Stadtteil San Francisco. Die Bezeichnung deshalb, weil man das Gefühl hat über einen Fluss geführt zu werden. Bei näherer Betrachtung entdeckt man aber lediglich eine Abgrenzung ins da-runter gelegene Tal mit seinen Landwirtschaftsflächen.

Der maurische Einschlag der Häuschen ist hier deutlich sichtbar, die sich hier im 16. Jahrhundert als Handwerker, Kaufleute und Künstler niederließen. Enge verwinkelte Gässchen führen entlang weißer Häuschen bis zum Platz und der Kirche San Francisco. Auch hier steht die Zeit still. Seit 500 Jahren hat sich dieses Viertel nicht verändert, nur Handwerker findet man hier keine mehr. An das ehemalige Kloster, das dem Franziskaner-Orden angeschlossen war, erinnert nur noch das Eingangsportal. Der Dornröschenschlaf wird nur durch einige verirrte Touristen unterbrochen, die wie wir vor den Häuschen ihre Kameras zückten. Lebendig wird es hier nur während der traditionellen Volksfeste.

STECKBRIEF TELDE

Telde liegt etwa 15 Kilometer von Las Palmas entfernt im Nordosten der Insel. Einwohner: 101.000 (Stand: 2011), Postleitzahl: 35200.

Anfahrt: Mit dem Auto auf der GC1 in nördliche Richtung, dann Abfahrt GC 105 Richtung Valsequillo, Telde und Ausschilderung Richtung San Juan oder San Gregorio abfahren.

SEHENSWERTES

- Basilica San Juan de Bautista
- Plaza de San Juan, Telde.

Öffnungszeiten: 9.30 Uhr - 12.30 Uhr und 17.00 Uhr - 20.00 Uhr.

Touristeninformation

c/Leon y Castillo 2 , San Juan de Telde
Tel: 828 013 312 oder 928 698 152

Parque San Juan & Hundepark

Mit 135.000 Quadratmetern ist es der zweitgrößte urbane und sehr hübsch angelegte Park der Kanaren, Eintritt frei. Drei Zugänge bieten den Städtern für jeden Geschmack etwas. Viele Pflanzen, Spielecken für Kinder, Vogelvolieren etc. Hier ist auch ein toll konzipierter und eingezäunter Hundepark untergebracht, der für die Vierbeiner ein Spielparadies darstellt. Die Besitzer freuen sich, wenn ihre Lieblinge die Möglichkeit zur Sozialisierung haben.

Altstadt San Juan

• Iglesia San Juan Bautista - Siehe Artikel bzw. Foto oben.

• Museum - Siehe  Casa Museo der Brüder León y Castillo in Telde

• Archäologie:  Die vier Pforten - Kultplatz der Altkanarier

Der Kultplatz „Cuatro Puertas“ etwa fünf Kilometer hinter der Stadt mit dem spektakulären Rundgang zu den Höhlen- und Felsformationen. Siehe Bericht in Ausgabe Nr. 64  Die vier Pforten - Kultplatz der Altkanarier

• Site of Tufia: Im Fischerviertel von Tufia befindet sich eine archäologische Fundstelle mit Höhlen und Behausungen der indigenen Bevölkerung.